Fahrt nach Polen

Bericht geschrieben von: Katja

 

Auf den Tierschutzhof Vierpfoten in Rokitno, Polen, wurden wir bereits bei einer Recherche zum Thema Gnadenhöfe vor über 1 Jahr aufmerksam. Sehr neugierig machte uns auch die Homepage von Brigitte Eschenbrücher, auf der u.a. auch verschiedene Möglichkeiten beschrieben werden, z. B. was man alles tun oder wie man helfen kann, wenn man gern mal den Gnadenhof besuchen und dort helfen möchte.… Da bei uns immer wieder neue Sachspenden eintreffen, die wir gern noch vorm kalten Winter zu den Tieren bringen wollten, die z. B. dringend warme Decken oder Futter benötigen, setzten wir uns mit Brigitte Eschenbrücher in Verbindung und fragten, ob wir sie mit Sach- und Futterspenden beliefern könnten. Brigitte, kurz Gitta (sie hat uns gleich das du“ angeboten) sagte, dass sie unser Engagement ganz toll finde, sie sich aber unverschämt vorkomme, wenn sie die Sachen für sich in Anspruch nehmen würde Vor einiger Zeit hätte sich nämlich auf deutscher Seite ein kleiner Verein gegründet, der sie unterstütze Ebenso würde es auf polnischer Seite inzwischen eine kleine Stiftung geben, von der sie auch Hilfe bekommen würde. Außerdem seien einige Patenschaften für ihre Tiere vorhanden, so dass sie einigermaßen gut über die Runden komme Es würde aber viele arme Tierheime oder Gnadenhöfe in Polen geben, und wenn wir ihr mitteilen würden, welche Sachen wir bringen wollten, würde sie rumfragen, wer die Sach- und Futterspenden dringend bräuchte…

Auf unserer Liste standen vor allem Decken, Handtücher, Bettwäsche, Hundekörbe, Hunde- und Katzenfutter, Medikamente, Leinen, Halsbänder, aber auch (Baby-) Kleidung, Spielzeug, 1 Waschmaschine, 1 Kühlschrank und 1 Gästebett (gesammelte Sach- und Futterspenden aus dem Raum Paderborn). Gitta rief gleich am nächsten Tag an und erzählte, es habe heute eine junge Frau bei ihr angerufen, die inzwischen auch einen kleinen, privaten "Gnadenhof" mit vielen armen Hunde und Katzen habe und die nicht mehr wisse, wie sie die Tiere satt kriegen solle Ob Gitta ihr helfen könne Gitta dachte natürlich gleich an unser Angebot und fragte, ob wir uns vorstellen könnten, einen Teil unserer Sachen dorthin zu bringen Die junge Frau  sie heißt Kamilla  sei im 6. Monat schwanger und habe ein 2-jähriges Kind. Da ihr Mann die ganze Woche wegen seiner Arbeitsstelle unterwegs sei, würde sie sich allein um die Tiere kümmern. Zufällig bräuchte sie auch dringend eine Waschmaschine und einen Kühlschrank…. Christina, Carmen und ich haben nicht lange gezögert und für das darauffolgende Wochenende (2 Tage) einen Transporter gemietet. Den holten wir Donnerstag Abend um 17.00 Uhr ab und beluden ihn mit fast allen Sachen, die in unserer Garage bzw. Gartenhütte standen, um uns dann am folgenden Morgen auf die Piste nach Polen zu machen… Christina und ich starteten gegen 8.45 Uhr und fuhren zunächst zum Hauptbahnhof Hannover, um dort Carmen abzuholen, die ja von Fehmarn anreiste (natürlich fuhren wir in zusätzlicher Begleitung von au Navi). Dann ging es weiter Richtung Berlin, Frankfurt/Oder und dann zum Grenzübergang Küstrin (wo keine Kontrolle stattfand). Von Küstrin aus schlugen wir uns mit der  Wegbeschreibung, die auf Gittas HP steht, durch bis Rokitno, denn der Ort ist soooo klein, dass angeblich weder ein Herr noch eine Frau Navi ihn finden würde… Ach ja, als wir in Polen ankamen, fing es auch noch an zu schneien… Na klasse! Sich bei dem entgegenkommenden Schnee und in der langsam beginnenden Dämmerung zurecht zu finden, war nicht so einfach…Gegen 17.00 Uhr kamen wir endlich in Rokitno an und fuhren den Transporter auf den Hof, der nach unserer Ankunft mit einem großen Holztor verschlossen wurde. Und dass wir eingetroffen waren, war wohl im ganzen Dorf nicht zu überhören, denn wir wurden auf Gittas Hof von einer riesigen und bellenden Hundeschar freudig begrüßt: große Hunde sowie kleine, junge sowie alte und auch gehbehinderte Vierbeiner…Alle wuselten um uns rum…Es war super!!! Wir gingen mit Gitta dann erst mal in das gemütliche Bauernhaus: fast überall Holzfußböden, Kamin, Holzfensterchen… Es war sehr gemütlich (wenn nur die Haustür nicht die ganze Zeit hätte offen gestanden hätte wegen der Hunde, die dann je nach Bedarf ihr Geschäft auf dem Hof erledigen konnten ;o)). Wer jetzt davon ausgeht, dass die Hunde alle draußen im Zwinger oder in der Scheune schlafen, irrt sich: Gitta hat aktuell 55 Hunde und 6 Katzen, und alle leben mit ihr im Haus! Es war einfach toll, und das meinen wir jetzt nicht ironisch: während wir uns mit Gitta unterhielten, waren wir von vielen Fellnasen umringt. Sie saßen mit uns auf dem Sofa oder auf dem Stuhl oder auf dem Schoß oder vor unseren Füßen… (natürlich nicht alle 55… einige hatten sich auch auf ihre Decken, in ihre Körbe oder auf das Hundesofa gelegt…). Wir holten dann auch irgendwann unsere Taschen aus dem Transporter, und Gitta fragte, wer von uns denn in den beiden Gästezimmer gern Feuer machen wolle, wozu sich Carmen sofort bereit erklärte. Christina und ich schliefen oben auf dem Speicher in einem Gästezimmer; Carmen hatte ihr „kleines Reich“ im schräg gegenüberliegenden Gebäude in einem gemütlichen Zimmerchen (beide Räume natürlich mit Kamin ausgestattet. Es war wirklich seeeehr kalt!!!!). Von einem kleinen Abendspaziergang durchs Dorf riet Gitta uns ab, da jeder 2. Hof mehrere Hunde besitze und diese dann anfangen würden zu bellen… So verbrachten wir den Abend (der nicht sehr lang wurde, da wir müde waren) mit Gitta und den Hunden im Wohnzimmer bei einer Flasche Wein. Als Gitta sich verabschiedete, folgten ihr etwa 30 Hunde ins Schlafzimmer… Die anderen blieben im Wohnzimmer und schliefen oder kuschelten mit uns vorm Kamin… Kurze Zeit später gingen wir auch zu Bett. Am nächsten Morgen sagte Gitta, dass es ein „kleines Problemchen“ gebe: sie habe kein Brot mehr… Ob wir ins nächste Dörfchen zum Bäcker fahren und Brötchen holen könnten… Sie schrieb die „Bestellung“ auf polnisch auf einen Zettel und gab uns einen Zloty-Schein mit (in Polen wird nämlich noch bis mindestens 2012 mit dem Zloty bezahlt…). Draußen war es ziemlich zugeschneit, und die Scheiben vom Transporter waren auch entsprechend zugefroren… Wir kamen aber doch ganz gut vom Hof (obwohl es ein kleines Stück „bergauf“ geht) und machten uns lt. Gittas Beschreibung auf die Suche nach dem kleinen Örtchen. Nach einigen Unsicherheiten (wir sollten der Straße „immer geradeaus“ folgen, aber sollten wir uns an der Gabelung links oder rechts halten? Aufgrund des Schnees war der Straßenverlauf nicht wirklich sichtbar…) fanden wir aber doch die Bäckerei und gaben dort den Zettel ab… Nachdem wir mit Gitta gefrühstückt hatten, wollten wir losfahren zu Kamilla, denn wir mussten ja am gleichen Tag noch zurück sein und den Transporter wieder abgeben… Da es nun doch später als geplant war, fragte Gitta, ob es ein Problem sei, wenn wir allein zu Kamilla fahren würden, da sie den Hunden noch die Medikamente geben und mit ihnen spazieren gehen müsse… Sie erklärte uns den Weg bzw. schrieb ihn auch noch auf, und dann verabschiedeten wir uns. Das erste Stück war es doch erst nicht so einfach, den richtigen Weg zu finden… Mussten wir an dieser Kreuzung schon links oder an der nächsten?!?! Wir fragten auch zwischendurch ein paar Einheimische, aber den Ort, wo wir hinwollten (Zaborsko, ein kleines Dorf ca. 45 km entfernt) kannte natürlich niemand und auch nicht die anderen Orte auf der Wegbeschreibung… Wir fragten dann unsere Frau Navi, die sich ja auch noch mit im Transporter befand… Auch sie kannte Zaborsko nicht, aber mit einem anderen Ort auf dem Zettel hatten wir dann Erfolg… Leider schneite es während der Fahrt, und es war auch glatt… Statt der angegebenen 45 Minuten brauchten wir ca. 1,5 Stunden... Kamilla kam schon gleich freudestrahlend aus dem Haus. Sie hatte sich extra Hilfe geholt zum Ausladen (die Sach- und Futterspenden waren ja kein Problem, aber die tonnenschwere Waschmaschine und der Kühlschrank…). Ihr Vater war da und ein junger Mann (wahrscheinlich ihr Bruder).
Nachdem wir den Transporter leer gemacht hatten, bat Kamilla uns dann noch auf polnisch (aber mit entsprechenden Gesten) auf etwas zu trinken mit rein. Sie kochte einen Tee und stellte (deutschen) Christstollen auf den Tisch und zeigte uns auch Fotos von ihren vielen Hunden und Katzen und ihrem Mann… Sie erklärte, dass 2 ihrer Hunde (die Kleinsten) mit im Haus leben würden. Die anderen seien in der Scheune untergebracht… Wir wollten uns gern noch von dem Zustand und der Lebensumstände der anderen Hunde ein Bild machen und fragten, ob wir mal die anderen Vierbeiner sehen dürften… Kamilla ging mit uns in den Garten, erklärte aber, dass wir im Vorgarten am Tor stehen bleiben sollten… Sie holte dann die Hunde aus der Scheune, die gleich laut bellend angelaufen kamen (zwischen uns befand sich aber noch der Zaun…). Kurz, bevor wir fuhren, rief Gitta noch mal bei Kamilla an, und die beiden unterhielten sich kurz auf polnisch, und dann sprach Gitta noch kurz telefonisch mit uns und fragte, ob alles geklappt habe und wünschte uns eine gute Heimfahrt und hoffte auf ein Wiedersehen. Insgesamt hat man während der Fahrt durch die Dörfer oder auch beim Brötchen holen gemerkt, dass in Polen doch teilweise eine ziemliche Armut herrscht. Alles sieht irgendwie anders aus wie in einer anderen Zeit und ist nicht mit dem Wohlstand bei uns zu vergleichen (obwohl es bei uns auch viel Armut gibt, das wissen wir…). Uns kamen auch einige freilaufende Hunde entgegen mitten in der „Wildnis“… Keine Ahnung, ob sie zu einem Bauern gehörten oder ob es sich um Streuner handelte… Wir sahen auch einige Hunde, die trotz der Eiseskälte draußen in ihrem Zwinger saßen und waren schon froh, wenn sie wenigstens eine Hütte hatten, obwohl es darin ja auch sehr kalt wird… Aber was ist mit den vielen Tieren, die ihr Leben an der Kette oder im Tierheim fristen, teilweise ohne Futter, ohne Wärme und immer ohne Liebe?!? Die geprügelt und geschlagen werden oder erfrieren oder verhungern oder vergiftet werden oder sonst was?!? Wir wissen, wir können nicht alle Tiere retten (obwohl wir es gern tun würden), aber wir möchten so vielen Tieren wie möglich das Leben in Tierheimen etc. erleichtern und hoffen, dass sich der Tierschutzgedanke bei ganz vielen Menschen in den Köpfen entfaltet, denn wir sind der Meinung: Tierschutz geht uns alle an!! Unser Fazit von diesem Besuch: Wir werden auf jeden Fall wieder nach Polen fahren, Gitta und ihre vielen Vierbeiner besuchen und Tiere in Polen unterstützen, die dringend unsere Hilfe brauchen!!!

Katja, Chris, Carmen