Unsere Fahrt ins Tierheim Gorzow /Polen am 13. Februar 2010

Abfahrt in Bielefeld 5.00Uhr-Ankunft in Gorzow 13.00Uhr
Abfahrt in Gorzow 16.00Uhr-Ankunft in Bielefeld 23.30Uhr

 

Bericht: Katja Roß

Bei unserer 1. Fahrt Ende 2009 nach Polen hatte uns Gitta (sie hat einen Gnadenhof in Rokitno) vorgeschlagen, dass sie uns – in Absprache mit Wioleta, der Vorsitzenden eines übergeordneten, polnischen Tierschutzvereines – bei der Suche nach hilfsbedürftigen Tierheimen in Polen unterstützen wolle. Da Gitta jedoch genug mit ihren eigenen 55 Hunden und den Katzen zu tun hat, haben wir uns direkt an Wioleta gewandt und gesagt, dass wir im Februar einen 2. Sachspendentransport nach Polen durchführen wollen und fragten, welches hilfsbedürftige Tierheim sie uns ans Herz legen würde…

Wioleta schlug vor, dass wir ggf. in das Tierheim nach Gorzow fahren könnten. Gorzow Wielkopolski liegt nicht allzu weit hinter der deutschen Grenze; das Tierheim dort existiert mittlerweile schon nahezu 30 Jahre. Zwar hat es dort in den letzten Jahren schon einige Verbesserungen gegeben, z. B. wurden einige neue Boxen für die Hunde gebaut, und das Gelände wurde inzwischen auch an die Kanalisation angeschlossen. Ebenfalls konnten – aufgrund der Hilfsbereitschaft vieler Menschen – Container für die Mitarbeiter aufgestellt werden. Trotzdem gibt es auch in Gorzow noch genug zu tun, und wir haben gleich zugesagt, dass unsere nächste Spendenfahrt dorthin gehen wird… Als Termin für die Fahrt hatten wir uns Samstag, den 13. Februar 2010 ausgesucht.

Am Freitag, 12. Februar, holte ich nachmittags nach der Arbeit den Transporter in Schlangen ab, belud ihn zu Hause noch mit einem größeren Schwung 6-er Packungen Nassfutter (1.200-Gramm-Dosen) und fuhr nach Bielefeld zu Bettina, wo wir dann zunächst noch weiteres, gesponsertes Futter von Gerd P. beim Tiergarten in Bielefeld abholten (vielen, herzlichen Dank noch mal dafür!Auch einen lieben Dank noch an den Tiergarten auf der Jöllenbecker Str.für die Spenden), bevor wir ein Riesen-Sammelsurium aus Bettinas Garage und Keller in den Transporter luden. Wioleta hatte uns – neben Futter – vor allem auch darum gebeten, Handtücher, Bettwäsche und Decken mitzubringen… Davon hatten wir genug. Auch viele andere Sachen wie Näpfe, Leinen, Teppiche, Medikamente und auch warme Winterkleidung für die Mitarbeiter des Tierheims wurden verstaut. Einige Dinge legten wir jedoch erst mal an die Seite für Viktor (Lettland), da Julia Plugge von der Pfotenhilfe Europa versuchen will, demnächst öfters Sachen zu Viktor nach Lettland bringen zu lassen, wobei wir sie auch wieder voll und ganz unterstützen (der 1. Transport geht in der 8. KW dorthin. Noch mal lieben Dank an Julia, dass du dich darum gekümmert hast!).

Was wir ebenfalls an die Seite gelegt haben bzw. auch entsorgen müssen, sind z. B. abgelaufene Medikamente. Wenn das MHD etwas überschritten ist, ist es ja okay, allerdings hatten wir z. B. eine Tüte mit Sachen gefunden, die bereits Ende 1983 (!!!) abgelaufen waren. So was geht natürlich nicht.

Kurz und gut: gegen 19.30 Uhr hatten wir den Transporter bis unters Dach beladen und gingen ins Haus. Während ich noch einige wichtige Telefonate erledigte, die mit unserer Polenfahrt zusammenhingen, kochte uns Bettina was sehr Leckeres zu essen: Nudeln mit Pilzen in Trüffelrahmsoße, dazu Salat, die in ihrer tollen „Designer-Schüssel“ serviert wurde (mein „Schalk im Nacken“ verglich die Schüssel jedoch eher mit einer Bettpfanne, worüber wir heute noch schmunzeln müssen…).

Letztendlich legten wir uns erst gegen 23 Uhr schlafen, und wenn man bedenkt, dass bereits um 2.30 Uhr der erste Wecker klingelte… Gähn! Wir starteten gegen 5.00 Uhr morgens. Lt. Routenplaner sind es ca. 540 km, und man benötigt angeblich ca. 5 ¾ Stunde. Aufgrund der Straßenverhältnisse (teilweise auch noch Schnee auf der Autobahn) und öfters eingelegter Pausen (Miss Elli, Bettinas Hündin, begleitete uns) brauchten wir nahezu 8 Stunden. Egal.

In Gorzow angekommen, schrieben wir eine SMS an Wioleta und teilten mit, dass wir uns am Ortseingang befinden und an der Ecke vom Honda-Händler stehen würden. Wioleta machte sich sofort mit ihrem Mann auf den Weg. Sie waren ca. 5 Minuten später da und fuhren vor. Das war auch gut so, denn unser Navi hätte uns eine völlig andere Strecke geführt… Wahrscheinlich wären wir damit nie im Tierheim angekommen… Wir mussten das letzte Stück auch noch einen schmalen, noch sehr mit Schnee bedeckten Feldweg entlangfahren. Kurz vorm Tierheim stand ein Auto in Fahrtrichtung zu uns im Schnee und hatte sich festgefahren… Wir konnten den Wagen aber durch Schieben befreien. Der Fahrer musste jedoch zurücksetzen, denn für 2 Autos nebeneinander war auf dem schmalen Weg kein Platz…

Als wir im Tierheim ankamen, wurden wir mit einem riesigen Hundegebell empfangen. Wir wurden auch gleich von der Tierheimleiterin und 2 Mitarbeitern begrüßt. Bevor wir mit dem Ausladen anfingen, verteilte Bettina noch ein paar Kleinigkeiten wie Kaffee, Schokolade und Nudeln an die Mitarbeiter, die sich sichtlich freuten. Dann halfen alle, den Transporter leer zu räumen und staunten nicht schlecht bezüglich all der vielen Sachen, die sich in dem Transporter befanden…

Die Textilien wurden in den linken Lagerraum gebracht, das Futter in den Raum rechts daneben. Dort war auch eine kleine Tür offen. Man sah einige Regale mit etwas Hundefutter, ansonsten große, weiße Säcke, in denen sich vermutlich Graupen befinden. Wioleta zeigte uns dann auch, was die Hunde – sie werden dort 1 Mal am Tag gefüttert – zu fressen bekommen: gekochte Graupen mit Schweinefett und sonstigen Resten. Da wir beim späteren Verteilen von Leckerlis – übrigens an alle ca. 170 Hunde (Wioleta und ihr Mann halfen mit) – auch diverse noch halb volle Näpfe entdeckten, könnte man vermuten, dass das Futter nicht wirklich ein Leibgericht für die Hunde ist... Auch ist die Wasserversorgung bei diesen Temperaturen ist teilweise schwierig. Einige Näpfe waren zugefroren, und auch das Futter kann schnell wieder gefrieren.

Wie oben schon erwähnt, hat sich in dem Tierheim schon einiges verändert wie z. B. der Bau einiger neuer Hütten. Diese sind auch mit Stroh ausgelegt und teilweise mit Styropor abgedichtet. Einige Zwingeranlagen in Gorzow sind auch überdacht, und zusätzlich können sich die Hunde dort in ihre Hütte zurückziehen. Auf der linken Seite des Tierheims sind jedoch größere Ausläufe, die nicht überdacht sind und wo die Hunde sich lediglich in ihre Hütte verkriechen können. Je nach Wetterverhältnissen stehen sie dann draußen im Matsch oder Schnee. Allerdings gibt es auch viele Tierheime, besonders in ländlichen Gebieten (egal ob Polen, Rumänien, Ungarn etc.), wo die Hunde auch heute noch Tag und Nacht, bei Wind und Wetter draußen an der Kette gehalten werden und wo selten eine Hütte vorhanden ist, die wenigstens etwas Zuflucht bieten könnte. Zum Glück haben wir diese Bilder in Gorzow nicht  vorgefunden. Trotzdem schauten wir in etliche traurige Hundeaugen. Viele Vierbeiner sitzen schon seit Jahren dort im Tierheim und haben keine Chance, jemals wieder dort raus zu kommen und ein schönes Zuhause zu finden. Bei dem Verteilen der Leckerlis fiel auch auf, dass einige der Hunde auch solche Angst hatten, dass sie sich – trotz der tollen Leckerlis – nicht aus ihrer Hütte trauten. An einigen Zwingern waren auch Schilder befestigt, aus denen – wenn auch in polnischer Sprache – hervorging, dass diese Hunde ggf. etwas bissig sind (obwohl es nur wenige waren). Ansonsten sind wir selbst mit den Leckerlis auch in die jeweiligen Zwinger gegangen und haben JEDEM Hund etwas gegeben, selbstverständlich auch den Ängstlichen (die ganz erstaunt schauten, sich aber sichtlich freuten, dass sie nicht vergessen wurden).

Als wir mit allem fertig waren, verabschiedeten wir uns und machten uns – von Wioleta und ihrem Mann geführt – auf den Weg in die Tierklinik nach Gorzow, wo wir den armen, auf 12 Jahre geschätzten Hundeopa Rex abholen wollten… Rex hat ca. die Hälfte seines Lebens im Tierheim in Gorzow gesessen. Keine Menschenseele hatte sich seither für den wolfsartigen, lieben Hund interessiert. Er hatte sich schon aufgegeben und wollte auch schon nicht mehr aus seiner Hütte rauskommen. Daher war den Mitarbeitern wohl auch nur zufällig aufgefallen, dass Rex sein rechtes Hinterbeinchen nachzog. Rex wurde letztens dem Tierarzt vorgestellt, der einen Bruch feststellte, ihm eine Spritze gab, Rex aber innerhalb der nächsten 14 Tage einschläfern wollte, wenn es sich nicht bessern würde… Dieser Hilferuf wurde von Wioleta und Hannes über das Internet verschickt und landete auch bei uns…

Rex
Rex

Wir setzten alle Hebel in Bewegung und fanden tatsächlich eine Pflegestelle auf Lebenszeit für Rex bei einer älteren Dame auf Fehmarn, die uns ebenfalls schon mit vielen Sachspenden unterstützt hat. Wir überlegten daher nicht lange und machten mit Wioleta die Ausreise für Rex in ein neues Leben klar…

So ist Rex dann mit uns nach Deutschland gereist…Wir fuhren noch am gleichen Tag von Gorzow aus durch bis nach Hause (natürlich mit entsprechenden Pausen). Bettina und Miss Elli stiegen in Bielefeld aus, und Rex und ich fuhren dann noch weiter nach Schlangen/Raum Paderborn, wo ich mit meinem Mann und unseren 4 Hunden in einem älteren Haus am Waldrand lebe.

Rex blieb von Samstag Nacht bis Montag Morgen bei uns; ich brachte ihn dann – in Begleitung unserer 2 ebenfalls aus Polen stammenden Hunde Fritzchen und Berta – nach Fehmarn zu den Eheleuten S., die ihm noch ein schönes Zuhause geben wollen. Zu Frau S. stehen wir regelmäßig in Kontakt, und sie erzählt immer ganz begeistert von Rex. „Den geben wir nie mehr her!“
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Sigrid und Ulrike aus unserem KowaNeu-Team, die ebenfalls im Raum Fehmarn leben, stehen Frau S. vor Ort auch weiterhin bei eventuellen Problemen zur Verfügung. Vielen herzlichen Dank euch beiden für eure tolle Unterstützung!! Vielen herzlichen Dank natürlich auch an Frau und Herrn S., die sich bereit erklärt haben, einem alten Hund noch ein Zuhause zu geben!!

Wenn auch Sie sich vorstellen können, einem Vierbeiner aus Polen, Ungarn, Rumänien, Russland o.ä. bei sich aufzunehmen, können Sie sich gern mit uns in Verbindung setzen. Wir selber vermitteln zwar keine Tiere und sind auch kein Verein, aber wir stellen gern die Kontakte her und unterstützen diverse Vereine und Organisationen bei der Vermittlung ihrer Tiere und bei der Suche nach Pflegestellen.

Miss Elli will endlich nach Hause in ihr Körbchen
Miss Elli will endlich nach Hause in ihr Körbchen

Unsere Fotos vom 13.02.2010  Bilder anklicken zum vergrößern.


Auf der Heimfahrt haben wir Rex mitgenommen. ► weiterlesen