Bericht über die letzten 18 Monate Casa Cainelui

 

Wie alles begann…

Am 16.04.2011 bei einer Demo in Berlin gegen das Töten der rumänischen Streuner wurden die Tierhilfe KowaNeu das 1. Mal mit dem Hilferuf von Romulus Sale aus Timisoara/Rumänien konfrontiert. Zusammen mit anderen Tierschützern sollte Unterstützung geleistet werden, wobei KowaNeu mit Sach- und Futterspenden helfen wollte. Zu dem Zeitpunkt lag bei der seinerzeit noch „Privaten Tierhilfe“ keinerlei Erfahrung mit einem Projekt dieser Größenordnung vor. Trotz allem wurde versucht, dabei zu unterstützen, „…das Unmögliche möglich zu machen…“. Als der Schauspieler und Kampfsportler Ralf Seeger, der bereits seit Anfang 2010 in Kontakt mit der Tierhilfe KowaNeu stand, von dem Hilferuf erfuhr, bot auch er seine Hilfe an.

Vor dem ersten Vor-Ort-Besuch in Timisoara im Juni 2011 besorgte Anne Fünfstück vom Tierhilfsnetzwerk Europa e.V. eine Lagermöglichkeit bei der Spedition Weber. Dort konnte die gesamte Logistik genutzt werden. Die Firma Bosch übernahm auch die Kosten der Lieferung von 3 Paletten mit 3 Tonnen Futter nach Berlin. Dank vieler Spender und Helfer konnten 5 Paletten mit insgesamt 7 Tonnen Sachspenden (allein 5,5 Tonnen Futter) gepackt werden, die dann nach Timisoara gebracht wurden. Auch zwischendurch gab es immer wieder LKW-Abholungen, die von Rumänien aus organisiert wurden.

Der 1. Besuch in Rumänien vom 28.06.-07.07.2011

Bettina  Kowalewski von der Tierhilfe KowaNeu und Petra flogen nach Timisoara, um sich einen ersten Eindruck vom alten Casa zu machen und bei der Versorgung der Hunde zu helfen. Im alten Casa waren mehrere große Zwinger gebaut worden, in denen jeweils ca. 10 - 20 Hunde untergebracht waren. Zusätzlich gab es noch ein freies Rudel, welches sich auf einem eingezäunten Platz frei bewegen konnte. Dort sah man Welpen, große und kleine Hunde, Patenmütter, die Welpen säugten, welche ihre Mama verloren hatten usw…

Romulus erzählte, dass er während der kalten Wintermonate im alten Casa an einer Feuerstelle auch eine Art „Suppe“ aus Fleischresten mit Reis und Brot für die Hunde koche. Zusätzlich würden die Hunde Trockenfutter aus Rumänien bekommen, welches aber leider keine sehr gute Qualität habe. Dieses würde er oftmals mit Futterspenden aus Deutschland mischen. Für alle Hunde brauche er pro Monat ca. 4,5 Tonnen Futter.

Bettina Kowalewski und Petra fanden unter einem Kessel (unter dem alles voller Asche lag)  einen völlig verfilzten und ängstlichen, kleinen Hund. Es war anfangs gar nicht zu erkennen, ob es sich um eine Hündin oder einen Rüden handelte. Nachdem er – d. h. es stellte sich heraus, dass es eine „sie“ war (sie wurde „Kessi“ genannt) - von ihrem völlig verklebten Filz befreit worden war, wurde sie zum Tierarzt gebracht. Kessi wurde in Timisoara zwei Mal operiert und erholte sich gut. Die beiden Frauen versorgten die vielen Hunde im alten Casa während ihres Aufenthaltes täglich mit Futter, Wasser sowie Medikamenten und fuhren auch mit zum Tierarzt.

Der 2. Besuch in Rumänien vom 16.08.-22.08.2011

Neben Bettina Kowalewski von der Tierhilfe KowaNeu reiste auch Ralf Seeger mit 4 weiteren, starken Männern an, welche tatkräftig beim Bau des Tierheims helfen wollten. So wurde u.a. bei über 40 Grad das Fundament für die Zwinger ausgehoben und die entsprechende Fläche betoniert. Während dieser Tage begleitete ein Fernsehteam von Vox die Arbeiten vor Ort.

Tunnelhunde

Romulus fuhr mit den Tierfreunden aus Deutschland und in Begleitung des Vox-Teams auch zu den so genannten „Tunnelhunden“ (diese leben in einem Tunnel am Wasser). Romulus bringt diese Tiere auch zum Tierarzt und lässt sie kastrieren, damit sie sich nicht endlos vermehren. Eine Frau namens Maria aus Timisoara füttert diese Hunde regelmäßig und wird von Romulus mit Futterspenden etc. unterstützt. Vor laufender Kamera konnte auch einer der Tunnelhunde gefangen und zum Tierarzt gebracht werden.

Die Tierschützer wurden während ihres Aufenthaltes in Rumänien auch immer wieder mit toten Hunden konfrontiert, die z. B. rücksichtslos auf der Straße überfahren und liegen gelassen worden waren. Auch wurden immer wieder Zigeuner mit Pferdewagen gesichtet. Die teils völlig abgemagerten Pferde hatten oftmals schwere Lasten zu tragen und wurden trotz der Hitze nicht mit Wasser versorgt. Hier wurde – zumindest für den Moment – von den Tierfreunden aus Deutschland Abhilfe geschaffen (das Fernsehteam war hier nicht dabei, aber es wurden Fotos gemacht).

Einige Situationen aus der Miniserie „Hundkatzemaus“ bei Vox:

"...Kessi (die Hündin, die beim 1. Besuch unter dem Kessel gefunden worden war) konnte mit nach Bielefeld reisen, wo sie ein schönes Zuhause gefunden hatte. (Leider musste die neue Besitzerin nach 3 Monaten doch Abschied von der kleinen Maus nehmen. Bettina begleitete sie und das Frauchen bei diesem schweren, letzten Gang…).

3. Besuch:

 

Am späten Abend des 30.09.2011 machten sich Danie und Marcel sowie Freundin Bianca mit einem Transporter und ca. 1.500 kg Sach- und Futterspenden auf den Weg nach Timisoara, wo sie nach 18 Std. eintrafen. Danies Eindrücke vom alten Casa: „Beim Eintreffen wurden die Hunde schon vom Pfeifen angelockt und kamen freudig bellend und wedelnd angelaufen. Allein dieses war faszinierend und sagte mehr als 1000 Worte! Im Casa befanden sich 2 Helfer von Romulus (1 Mann und 1 Frau), die auf dem Grundstück in einem Wohnwagen ohne heißem Wasser oder Toilette lebten und sich um die Hunde kümmerten: Zwinger reinigen, Hunde mit Futter und Wasser versorgen etc. Die Hunde waren freundlich und sahen im Großen und Ganzen gesund aus. Romi verarztet die Hunde auch selbst, gibt ihnen Vitaminspritzen und kümmert sich um die Vor- und Nachsorge. Er arbeitet ansonsten eng mit einem befreundeten Tierarzt zusammen. Alles in allem geht es den Hunden gut.“


Fortschritt des Bauvorhabens:

Seit dem letzten Besuch in Timisoara war wieder einiges beim neuen Casa geschafft worden. Das Gelände war inzwischen komplett eingezäunt incl. eines Fundaments, wodurch das sich-durchgraben der Hunde verhindert werden sollte. Es war auch schon ein Zubringerweg aus Schotter erstellt worden. Auf dem Tierheimgelände selbst stand auch schon das „Haupthaus“. Rechts neben diesem Haupthaus: 2 kleinere Räume, die ggf. als Wohnung genutzt werden können… Am Kopf des Geländes war bereits ein Teil des Fundaments für die Zwingeranlagen erstellt und rechts daneben ein WC mit Waschgelegenheit gebaut worden. Wasser gab es ebenfalls schon; es fehlte jedoch noch die Stromversorgung… Zu dem Zeitpunkt lebten auf dem neuen Gelände wenige Hunde, die Romulus aufgesammelt hatte, da sie vorm Zaun gestanden hatten oder dort ausgesetzt worden waren. Ebenfalls lebten auf dem neuen Casa-Grundstück 2 Freunde von Romulus, die dort Tag und Nacht und jeweils im Wechsel vor Ort waren.

Romulus´ Vorstellung: Die Zwingeranlagen sollen wie ein "L" gebaut werden (mit jeweils max. 8 Hunden pro Zwinger); vor jeden Zwinger wird ein Baum zum Schattenspenden gepflanzt, und jeder Zwinger wird mit Sichtschutz auf den Nachbarzwinger getrennt. Die Mitte des Geländes ist als Freilauf für die Hunde gedacht; dort sollen auch noch Bäume gepflanzt werden. Romulus´ großer Traum ist es, zwischen Haupthaus und jetziger Toilette einen Sanitätsraum mit Quarantänestation zu bauen. Das gekaufte Gelände ist insgesamt größer als der Teil, der bereits mit Zäunen abgetrennt worden ist – die Anlage könnte also noch erweitert werden... Leider fehlt derzeit noch das Geld dafür.

Romulus fuhr mit seinem Besuch aus Deutschland auch zu sich nach Hause. Zu dem Zeitpunkt beherbergte er in seiner Garage gerade 2 Welpen, die er von der Straße gerettet hatte. Ein Welpe hatte ein gebrochenes Beinchen, welches aber schon medizinisch versorgt worden war. Für beide Welpen war auch schon eine Bleibe gefunden worden; sie sollten in ein paar Wochen reisen. Romulus gewährte den Tierfreunden auch Einblick in sämtliche Unterlagen vom Casa Cainelui: Spendenquittungen, Bauquittungen, Schriftstücke vom Veterinäramt, Steuerbescheide und erzählte ihnen auch von seinem Leben...

Nach mehreren ereignisreichen Tagen in Timisoara, vielen Eindrücken, Hilfe im alten und im neuen Casa erklärt Danie: „Wir unterstützen Romi weiterhin und werden im März 2012 wieder nach Rumänien fahren. Romi ist ein Mensch wie jeder andere von uns... Er hat seine Fehler, Stärken und Schwächen wie jeder von uns..., aber Fakt ist, dass er etwas tut...“.

4. Besuch vom 22.-25.03.2012:

Dieses Mal fuhren Danie, Marcel, Nicole König und Carsten Herzig nach Timisoara. Beide Fahrzeuge waren mit Sach- und Futterspenden bepackt. In Göppingen gab es noch ein Treffen mit Ruth E., bei der noch eine große Menge Nass- und Trockenfutter zugeladen wurde.

Mit insgesamt 3 Tonnen Futter ging es dann nach Rumänien. Aufgrund einiger Unwägbarkeiten kamen die Tierfreude erst nach 26 Stunden Fahrt an, d.h. Timisoara wurde gegen 6.30 Uhr nach rum. Zeit erreicht. Nach dem Frühstück wurden im neuen Casa die Spenden ausgeladen und anschließend die sich bereits dort befindlichen Hunde mit Spot-on versorgt. Auch im alten Casa gab es viel zu tun: Hunde kategorisieren, die bereits medizinisch behandelt worden waren, Säubern der Zwinger, Füttern der Hunde, fotografieren etc.

Am 2. Tag ging es nach dem Frühstück wieder ins alte Casa, um die Arbeiten vom Vortag weiterzuführen. Gegen Mittag kamen weitere Helfer aus Deutschland mit dem Flieger an: Corinna & Tom sowie Sonja. Gemeinsam mit Romulus wurde dann bei einem Baustoffhändler Material von den Spendengeldern, die bei KowaNeu eingegangen waren, eingekauft. Es konnten insgesamt 350 Säcke Zement, 22 Paletten Mauersteine und 80 Sack Mauermörtel erstanden werden.

5. Besuch: Umzug vom alten ins neue Casa Cainelui in Timisoara

 

Vom 20.-27.07.2012 machte sich das KowaNeu-Team mit insgesamt 12 Leuten auf den Weg nach Rumänien: Danie, Marcel, Daniela, Sandra, Carsten und Nicole starteten am 20.07. mit insgesamt 2 Fahrzeugen und 1 mit Anhänger. Am Morgen des 21.07. flogen Bettina, Katja, Corinna und Tom sowie Kameramann Piet und Chrissy mit dem Flugzeug von Dortmund aus nach Timisoara.<kick>

Am 22. und 23.07. nach dem Frühstück ging es zunächst zum alten Casa, um die Hunde dort noch mal medizinisch zu versorgen und auf den bevorstehenden Umzug vorzubereiten: entwurmen, Spot-on auftragen, Ohren reinigen, bei Bedarf (Augen-)Salben auftragen oder Antibiotika verabreichen, Krallen schneiden, Hunde scheren etc. Jeweils nachmittags machte sich das komplette Team auf den Weg zum neuen Casa, um dort noch diverse Unterstützung zu leisten, z. B. die mitgebrachten Sach- und Futterspenden ausladen, Zwinger reinigen, Hunde versorgen, Steine schleppen für die Abtrennungen der Zwinger etc. In der Zwischenzeit waren auch noch weitere Helfer eingetroffen (neben den „Helden für Tiere“ z.B. auch noch Brigitte Schramm, Silvia, Andrea Freesemann, Katrin sowie noch weitere private Helfer) und packten überall mit an, um alles entsprechend für den bevorstehenden Umzug vorzubereiten.

Am Dienstag, 24.07., begann das KowaNeu-Team dann mit dem Rüberbringen der Hunde vom alten ins neue Casa. Aufgrund von teilweise starkem Regen konnten bis Mittwoch Abend „nur“ ca. 150 Hunde umgesiedelt werden. Am Donnerstag, 26.07., flog bzw. fuhr ein Teil des Teams wieder nach Hause. Carsten, Nicole, Piet und Chrissy blieben noch einen weiteren Tag, führten noch gemeinsam einen Transport durch und wurden hierbei auch noch von einigen Leuten unterstützt. Insgesamt konnte das KowaNeu-Team in diesen Tagen ca. 200 Hunde in das neue Casa bringen. Vox begleitete neben Ralf und seinen Leuten auch das Team der Tierhilfe KowaNeu bei der medizinischen Versorgung der Hunde sowie beim Umzug in das neue Tierheim.

Seit Juli war im Casa wieder viel passiert: Der große Auslauf war fast fertig. Die Tierfreunde berichteten: „Es war schön, zu beobachten, wie die Hunde auf Romi reagieren und wie selbstverständlich sie in ihre Zwinger zurück laufen, wenn ihre Zeit von mehreren Stunden im Freilauf beendet ist!“ Dann ging´s an die Arbeit: Es wurden ca. 400 Hunde entwurmt, Vermittlungsvideos von Kameramann Piet gedreht, mehrere ca. 8 Wochen alte Welpen mit Antibiotika gegen Zwingerhusten behandelt, ca. 20 Junghunde in den Freilauf geführt und beaufsichtigt etc. Die Tierfreunde von Perspektierisch berichten: „Die Mitarbeiter des Casas reinigen 2x täglich die Zwinger und spritzen sie mit Wasser aus; Wasseranschlüsse sind in jedem Zwinger vorhanden. Abends bekommen die Hunde bestes Futter, sowohl Trockenfutter, als auch frische Sachen. Alle machen einen gesunden, wohlgenährten Eindruck. Gerade spezielle Hunde wie Esperanza sind kaum wieder zu erkennen! Auch verängstigte oder sogar vorher als aggressiv eingestufte Hunde sind mittlerweile zutraulich und sozialisiert…“.

Auch die darauffolgenden Tage gab es genügend Arbeit: entwurmen, Welpenspielstunden im Freilauf etc. Einige Hunde mussten zum Tierarzt, wurden durchgecheckt, geimpft, kastriert oder die Zähne behandelt. Dort wurde den Tierfreunden auch ein Karton gezeigt, in dem wimmernde, kaum 2 Wochen alte Hundewelpen lagen - ausgesetzt vor der Praxis, OHNE Mutter...Da beim Tierarzt keiner Zeit hat, die Welpen mit der Pipette großzuziehen, gab es nur wenig Alternativen. Nach mehreren Telefongesprächen mit Romi konnte zugesichert werden, dass Maria (sie kümmert sich in der Stadt auch um die Tunnelhunde) die Welpen aufzieht. Entsprechendes Material wurde im neuen Casa zusammengestellt.

Marcel und Piet waren mit Romi auch zum alten Casa gefahren, um nach dem Rechten zu sehen. Es waren zu dem Zeitpunkt noch ca. 10 Hunde dort, die sich bis dahin leider nicht hatten fangen lassen. Sie wurden aber durch einen Mitarbeiter vor Ort versorgt und hatten auch Hütten, in die sie sich bei Regen zurückziehen konnten. Auch Romulus schaute fast täglich nach dem Rechten und hoffte, die letzten, verbliebenen Hunde möglichst bald umsiedeln zu können (was inzwischen geschehen ist). Während des Aufenthaltes  wurde auch an der ersten Zwingerreihe von den Arbeitern die Isolierung an der Rückseite angebracht und verputzt.

Innerhalb der letzten 18 Monate ist viel passiert. Dieses wäre jedoch ohne jeden einzelnen Helfer oder Spender nicht möglich gewesen!!! Danke noch mal an alle, die Romulus hierbei unterstützt haben!!!